Wer seine Position im Unternehmen stärken will, sollte ein markantes Profil haben. Nur, wer nicht austauschbar ist, sitzt auch in turbulenten Zeiten fest im Chefsessel. Wie man sich selbst zur Marke macht und welche Rolle dabei Social Media spielen, das haben wir Kommunikationsberater und Reputation Manager Klaus Eck gefragt.
Klaus Eck
Produkte, die Marken sind, sind weniger leicht auszutauschen; man kann für sie sogar einen höheren Preis verlangen. Gilt das gleiche für Menschen - Stichwort Reputation?
Ja, wenn Sie es schaffen, sich einen Namen zu machen, ein Personal Brand zu werden, an dem niemand mehr vorbei kommt, können Sie natürlich für Ihre Arbeit mehr verlangen und die Hürde, Sie auszutauschen, liegt auch weitaus höher. Auch der Arbeitsmarkt regelt sich schließlich nach Angebot und Nachfrage.
Sind „gebrandete“ Mitarbeiter überhaupt attraktiv für Unternehmen? Die haben nicht unbedingt was davon, wenn ein Mitarbeiter nicht so einfach austauschbar ist... oder doch?
Ein "gebrandeter" Mitarbeiter bringt nicht nur seine Arbeitskraft, sondern auch seinen guten Ruf und seine Kontakte mit. Idealerweise haben Unternehmen Markenbotschafter als Mitarbeiter, die auch Influencer sind, das heißt, viele Menschen mit ihren Inhalten erreichen und damit das Business eines Unternehmens erfolgreich ausbauen helfen.
Inwiefern helfen Social Media dabei, sich im Netz eine Reputation aufzubauen - wie macht man sich online zur Marke?
Social Media geben jedem die Möglichkeit, sich nach außen darzustellen und, über die eigenen Kontakte hinaus, neue Menschen zu erreichen. Das Wichtigste beim Aufbau der eigenen Reputation ist es, ehrlich und authentisch zu sein. Nirgendwo können Fehler und Unehrlichkeiten schneller aufgedeckt werden als im Internet. Auch vorschnelles Handeln kann dazu führen, die eigene Reputation in Verruf zu bringen.
Beobachten Sie, was die Social Media-Welt zur Zeit interessiert, worüber gesprochen wird. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung und teilen Sie diese mit anderen. Nehmen Sie an Diskussionen teil, zum Beispiel in Form von Kommentaren. Beantworten Sie Fragen, die zum Beispiel bei Twitter gestellt werden. Scheuen Sie sich auch nicht, selbst Fragen zu stellen. Suchen Sie Influencer und lernen Sie von Ihnen. Beobachten Sie, wie sie schreiben, auf Fragen reagieren und in der Social Media-Welt agieren.
Es gibt jedoch immer noch Leute, auch im Berufsleben, die nicht bei einer der Plattformen wie Xing oder BrandFellas vertreten sind. Welche Argumente liefern Sie, um diese zu einem Profil zu überzeugen?
Natürlich hängt der Nutzen eines Networks immer auch von der Branche und der eigenen Positionierung ab. Es passiert immer mehr in Social Networks: Firmen suchen neue Mitarbeiter, vermarkten ihre Produkte, betreiben Kommunikation über die Netzwerke. Über das eigene Online-Profil können Sie auf sich aufmerksam machen und bekommen so, sollten Sie sich später einmal bei einem bestimmten Unternehmen bewerben, vielleicht den entscheidenden Vorteil gegenüber einem Mitbewerber, der eine vergleichbare Qualifikation aufweist.
Welche Tipps geben Sie unseren Mitgliedern, sich bei BrandFellas zu präsentieren - wie sollte ein Profil konkret gestaltet sein?
Präsentieren Sie sich mit einem hochwertigen Profilbild, dass Sie auch Ihrer Bewerbungsmappe hinzufügen würden. Hier hat das letzte Partyfoto nichts verloren. Sehen Sie Ihr Profil im Allgemeinen so wie eine Bewerbung und gestalten Sie es auch so.
Welche Daten sollten auf jeden Fall veröffentlicht sein? Viele scheuen sich, zum Beispiel eine Telefonnummer anzugeben.
Eine Kontaktmöglichkeit sollten Sie auch auf jeden Fall angeben. Wenn Sie ihre E-Mails regelmäßig abrufen, sollte die Mail-Adresse sicher reichen. Darüber können Fragen nach der Telefonnummer immer noch geklärt werden.
Wichtig bei Profilen in sozialen Netzwerken sind immer die Privatsphäreeinstellungen. Überlegen Sie, was wer lesen kann - möglicherweise auch, ohne Mitglied des Netzwerkes zu sein. Wenn Sie wissen, welche Daten nach außen kommuniziert werden, vermeiden Sie böse Überraschungen und werden damit auch nicht konfrontiert.
Ist es im Netz nicht verlockend, ein Bild von sich zu schaffen, das gar nicht der Realität entspricht? Was muss ich beim Aufbau meiner Online-Reputation beachten? Wie kann auf der anderen Seite einen potentiellen Blender entlarven, zum Beispiel als Personaler?
Viele überrascht es eher, wie nah das Digitale an der Wirklichkeit ist. Kurzfristig mag der eine oder andere uns vielleicht täuschen, das funktioniert auf lange Sicht jedoch nie und führt dann zu einem großen Schaden. Der Aufbau einer Online-Reputation ist ein mitunter langwieriger Prozess. Zerstören kann man seine Reputation jedoch durch vieles in kürzester Zeit. Das Risiko sollte daher niemand eingehen. Blender wirken oft schon online als solche. Wer die Zahl seiner Kontakte künstlich aufbauscht, der fällt schnell auf und macht misstrauisch. Letztlich zeigt ein Vorstellungsgespräch immer, wie Anspruch und Wirklichkeit zusammenpassen.
Wie mache ich am elegantesten und unaufdringlichsten auf mich und mein Profil aufmerksam? Darf ich jemanden anschreiben, der nicht mein eigener Kontakt ist?
Schreiben Sie nicht ungefragt jemanden an, nur um auf Ihr Profil aufmerksam zu machen! So landen Sie eher in der Spam-, als in der Kontaktliste. Verlinken Sie Ihr Profil auf Ihrer Homepage oder in Ihrer Mail-Signatur. Beteiligen Sie sich an Diskussionen oder schreiben Sie Kommentare. Bieten Sie vor allem gute Inhalte an, dann kommen die Kontakte von ganz alleine. Ganz abgesehen davon sollte man seine wichtigeren Offline-Begegnungen auch zu Online-Kontakten machen. Ein Online-Profil ist ein Spiegel der eigenen Social Network Aktivitäten - online wie offline.
Also das Netz als Abbild der realen sozialen Beziehungen...
Im Internet kann ich sehr gut erkennen, welche Menschen Netzwerker sind und welche nicht. Zudem erkenne ich, wie manche miteinander umgehen und bin besser denn je über meine Kontakte informiert. So erlauben die häufigen Aktualisierungen, den Kontakt zu vielen Menschen aufrechtzuerhalten und an ihrem (Arbeits-)Leben teilzuhaben.
Sie raten zu Newslettern, um auf seine Online-Aktivitäten aufmerksam zu machen. Wie weit darf man da gehen - Stichwort Spam?
Wenn Sie einen Corporate Newsletter anbieten, teilen Sie den potentiellen Abonnenten zunächst einmal mit, wie oft dieser Newsletter erscheint (1x wöchentlich, 1x monatlich etc). Dann kann jeder für sich selbst entscheiden, ob das das richtige Maß ist oder nicht. Auch hier ist der Content wieder der Schlüssel zum Erfolg. Wenn Sie täglich gute Inhalte liefern können, finden Sie sicher auch genug Leser, denen das nicht zu viel ist. Letztlich sollten Sie es immer Ihren Lesern überlassen, wie sie Ihre Informationen erhalten.
Was mache ich, wenn sich mein Chef mit mir auf Facebook verlinken will, ich aber nicht?
Das ist eine schwierige Frage. Es hängt von Ihren Aufgaben im Unternehmen ab. Wer in der PR oder im Marketing tätig ist, kann das Private kaum noch vom beruflichen Interesse trennen. Nutzen Sie jedoch Facebook nur zum privaten Austausch, würde ich das dem Chef auch so mitteilen und Ihn höflich zum Beispiel auf das Xing-Profil verweisen, auf dem Sie die professionellen Kontakte verwalten und pflegen. Wenn Sie zu diesem Schritt nicht bereit sind, weil Ihr Chef das möglicherweise nicht oder falsch verstehen könnte, bietet Facebook mit der Listen-Funktion eine gute Möglichkeit, private Mitteilungen und Fotos nur bestimmten Kontaktgruppen zur Verfügung zu stellen, zum Beispiel der Liste "Familie".
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Klaus Eck ist Gründer und Inhaber von Eck Kommunikation. Er ist Autor dreier Bücher, das neuste ist gerade druckfrisch im Handel erhältlich: „Transparent und glaubwürdig. Das optimale Online Reputation Management für Unternehmen“. Die Fragen zu diesem Interview basieren auf seinem Buch „Karrierefalle Internet. Managen Sie Ihre Online-Reputation, bevor es andere tun!“