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Patrick Kurth (Office for spatial identity) über neue Trends in der Live-Kommunikation, gutes Essen und schwierige Kunden.

OFSI steht für Office For Spatial Identity – also für Büro für räumliche Identität. Die verleihen Patrick Kurth, geschäftsführender Gesellschafter, und seine Partner allem, was man heute unter Live-Kommunikation zusammenfasst: vom Event bis zur Messe. Auch Restaurants und Läden nehmen sich OFSI, die in Zürich sitzen, vor.

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Was macht mehr Spaß: der vergängliche Messestand oder das bleibende Restaurant?

Grundsätzlich macht beides Spaß, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, was einen direkten Vergleich schwierig macht. Messeprojekte – oder auch temporäre Architektur im Allgemeinen – bereiten sehr viel Freude durch die Dynamik der Projekte. Meistens vergehen nur wenige Wochen oder Monate von der ersten Konzeptskizze bis zur Realisierung. So kann man sehr schnell ein Arbeitsergebnis in der Realität erleben und im Idealfall bestaunen, doch die Freude währt dann nicht für Lange und so sind meistens Fotos das Einzige, was einem als Erinnerung bleibt.

Klassische Architekturprojekte sind in der Entstehung oft ungemein langwieriger. So vergeht in der Regel sehr viel Zeit, bis diese umgesetzt sind. Dafür bleibt einem dann umso mehr Zeit, um sich an dem Resultat zu erfreuen. Gerade letzte Woche waren wir wieder einmal in einem von uns realisierten Restaurant essen. Seit sieben Jahren wurde an der Gestaltung praktisch nichts verändert und das Lokal ist nach wie vor sehr beliebt und gut besucht. Selbstverständlich bilden die Essensqualität, das Preis-/ Leistungsverhältnis und eine zuvorkommende Bedienung die Grundlage für den Erfolg eines Restaurants, doch einen nicht unwesentlichen Teil trägt auch die Raumatmosphäre dazu bei.

Zimtstern Showroom Zürich

Wie der Name Ihres Unternehmens schon andeutet ist die Spatial Identity die Erweiterung der Corporate Identity. Um diese in einen dreidimensionalen Raum übersetzen zu können, müssen Sie sie aber erst greifbar machen. Wie gehen Sie da vor?

Wir verstehen unsere Arbeit nicht als Erweiterung, sondern als integralen Bestandteil einer Corporate Identity. Mittlerweile haben auch die meisten mittleren und kleineren Unternehmen realisiert, dass ein konsistenter Markenauftritt im Print- und Onlinebereich einen wesentlich Beitrag zum Erfolg der Firma beitragen kann, obschon dieser Beitrag in Realität nach wie vor nur sehr schwer messbar gemacht werden kann.

Bedauerlicherweise schenken aber nach wie vor sogar viele Großkonzerne dem räumlichen Markenauftritt zu wenig Beachtung. Das gründet aus unserer Sicht auch aus einer gewissen Unsicherheit, sowohl seitens der Auftrageber, als auch der Agenturen und der Architekten.

Den Verantwortlichen der Auftraggeber sind die Instrumente einer klassischen Corporate Identity, oder präziser einem Corporate Design, bekannt: Logo, Schrift, Farben, Bildsprache oder Layoutverhalten werden festgelegt, reglementiert und umgesetzt.

Doch bei der Frage, wie man die Corporate Identity in den Raum übersetzt, fehlen oft auch bei den Agenturen die Kenntnisse, da nur die großen Markenberatungsunternehmen eine eigene 3D-Abteilung beschäftigen. Der traditionelle Architekt hingegen kennt sich sehr gut mit gestalterischen, funktionalen und bautechnischen Zusammenhängen aus, die spezifischen Bedürfnisse einer Marke gehen dabei aber oft unter.

Dementsprechend besteht unsere erste Aufgabe oftmals in der Vermittlung eines Grundverständnisses. Wir zeigen anhand von Beispielen, wie der räumliche Auftritt in ein Corporate Design integriert wird und welche möglichen Strategien dabei verfolgt werden können. Dann geht es darum, dem Auftraggeber aufzuzeigen, wie Architektur und Raum charakterisiert werden können und wie die Markenwerte diese Charakteristika beeinflussen.

Stand für die Bundesdruckerei auf der Cebit 2008

Zu Ihren Kunden gehört auch E.ON. Energieriesen haben - aus verschiedenen Gründen - in unseren Zeiten nicht gerade das beste Image. Wie können Sie solchen „schwierigen“ Kunden mit Ihren Mitteln helfen?

Selbstverständlich vermag der räumliche Markenauftritt alleine ein Image nicht aufzupolieren. Die Kunden werden wohl in Zukunft noch kritischer und aufmerksamer Großkonzerne, und nicht nur die Energieriesen, beobachten und beurteilen, und da zählen vor allem das Angebot und die Leistung.

Wichtig ist, dass der räumliche Auftritt die festgelegten Werte auch tatsächlich vermittelt und so auch einen authentischen Kontaktpunkt für den Konsumenten zu dieser Marke darstellt. Oft galt es durch den räumlichen Markenauftritt einzig die Größe und Stärke eines Unternehmens zu manifestieren. Oder man beschränkte sich bei architektonischen Umsetzungen auf die möglichst präzise Einhaltung von Gestaltungsvorgaben, die für den zweidimensionalen Markenauftritt entwickelt wurden und beachtet dabei beispielsweise nicht, dass Farben im Raum die menschliche Wahrnehmung viel stärker beeinflussen als eine Anzeige oder einen Prospekt. Wir versuchen stets die Kundenbedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen und unsere Konzepte auf dieser Grundlage und passend zu den Markenwerten zu entwickeln.

Der Online-Handel boomt – glauben Sie, dass Läden in der Innenstadt zunehmend zu Marken-Showrooms werden, in denen man Waren anschauen kann bevor man sie nach hause geliefert bekommt?

Klar ist es bequem, wenn man seine Einkäufe vom Sofa zu Hause aus tätigen kann. Dieser Vorgang stellt jedoch eine reine Konsumbefriedigung dar und ist nicht mit einem Einkaufserlebnis im Geschäft vergleichbar. Die reinen Konsumtempel könnten es schwerer haben sich gegen den Online-Handel zu behaupten.

Geschäfte, die einen Mehrwert anbieten, zum Beispiel durch kompetente und individuelle Beratung oder faszinierende Produktpräsentationen, werden gemäß meiner Einschätzung Bestand haben. Die Läden sollten sich also Gedanken machen, wie sie ein einmaliges Einkaufserlebnis anbieten können. Dies ist ja auch für die Konsumenten eine positive und spannende Entwicklung.

Werden in dem Zuge vielleicht auch Verbrauchermessen wichtiger?

Für den Konsumenten sind diese Messen oft die einzige Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit und auf engstem Raum Produkte und Angebote von verschiedenen Herstellern real zu vergleichen. Gerade durch das Internet wurde und wird das Bedürfnis nach Vergleichen und Recherchieren gefördert.

Da wir, wie oben beschrieben, davon ausgehen, dass trotz dem steigenden virtuellen Angebot das reale Marken- und Produkterlebnis nicht verdrängt wird, ist es also durchaus denkbar, dass Verbrauchermessen, als sozusagen reale Vergleichsplattformen, an Bedeutung gewinnen werden.

Presenter für Bacardi

Wo liegt die Zukunft der Live-Kommunikation, was sind die Trends?

Verantwortungsvoll und nachhaltig, sind die aktuellen Schlagworte, mit denen sich viele zu positionieren versuchen. Dies wird hoffentlich bald zur Selbstverständlichkeit und nicht mehr zum Alleinstellungsmerkmal.

Weiter stellen wir bei der Gestaltung von räumlichen Markenauftritten im Allgemeinen einen „Lounge“- oder „Wellness“-Boom fest, egal ob Bankfiliale oder Automobilmesse.

Temporäre Bauten bieten sich sicherlich an, um neue und auch überraschende Rauminstallationen umzusetzen. Permanente architektonische Umsetzungen überdauern jedoch aktuelle Strömungen um ein Vielfaches. Insbesondere um auch den Aspekt der Nachhaltigkeit zu erfüllen, gehen wir bei diesen Projekten achtsam mit Trends um.

Trotz oder gerade wegen der fortlaufenden Virtualisierung sind wir überzeugt, dass die Live-Kommunikation nicht an Bedeutung verlieren wird. Im Gegenteil, je weniger reale Kontaktpunkte zu Unternehmen angeboten werden, umso wichtiger ist es, dass die Verbleibenden die Kundenerwartungen erfüllen oder übertreffen können. Die Live-Kommunikation bietet dazu eine ideale Plattform, da gerade durch diese zeitlich begrenzten Veranstaltungen, sehr fokussiert die aktuellen Kundenbedürfnisse angesprochen werden können.

 

 

 

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