
Alle reden darüber, alle wollen mitmachen - aber kaum ein Unternehmen weiß, wie man sie richtig nutzt: Social Media. Carlos de Brito, Projekt-Manager der Online-Plattform Electronic Beats, gibt uns Tipps.
Ob und wie soziale Medien etwas mit ... zu tun haben, verriet Carlos im ersten Teil des Interviews. Im diesem Teil geht es eher um seine privaten Gewohnheiten beim Netzwerken.
Vermischt sich dein privates Facebook mit dem von Electronic Beats?
Ja, wobei ich tunlichst darauf achte, meine Kontakte nicht vollzuspammen, sondern das sporadisch mache. Ich kenne Kontakte, die nutzen ihren Facebook-Account, nur um auf ihre eigenen Sachen hinzuweisen. Das funktioniert am Anfang, aber irgendwann wissen die Leute: Der postet ja nur seinen eigenen Kram. Ich benutze Facebook eher als Blog. Ich poste unterhaltsame Sachen oder was mir gerade durch den Kopf geht. Oder eben mal ein schönes Interview bei Electronic Beats oder eine schöne Radiosendung - es muss aber eine Relevanz für meine Kontakte besitzen. Wenn ich nur noch EB-Sachen posten würde, würde ich meine persönliche Kredibilität riskieren.
Das ist ja wie im richtigen Leben, oder? Wer immer nur was verkaufen will...
... der wird irgendwann nicht mehr zum Essen eingeladen.
Bilden die sozialen Medien die realen sozialen Beziehungen sozusagen nur ab, inklusive Etikette?
Auf jeden Fall.
Ist Facebook das neue TV-Zapping? Oder zieht man aus sozialen Medien mehr nutzen, weil man sich gezielter das anschaut, was einen interessiert?
Ab und zu verplempert man auch seine Zeit damit. Wobei der Grad der Berieselung beim Fernsehen natürlich höher ist. Ich finde, es ist ein bisschen so wie ein großer Pausenhof. Oder wie eine große Cafeteria an der Uni. Man kriegt so den neusten Gossip mit, wer macht was? Jemand schlägt ein tolles Lied vor, zeigt seine Urlaubsbilder oder hat einen TV-Tipp für abends.
Siehst du eine Gefahr, dass man irgendwann mal nur noch im eigenen Saft brodelt, dass irgendwann nichts mehr von außen dazu kommt? Die eigenen Kontakte haben ja auch die gleichen Interessen...
Ja, das ist tendenziell tatsächlich eine Gefahr. Mitte der Neunziger bis vor drei, vier Jahren hat man sich, wenn man sich für Musik interessiert hat, in irgendwelchen Foren (oder früher noch Newsgroups) angemeldet. Das war dann eine internationale Mischung an Leuten, die man meist nicht kannte. wo sich aber allein interessehalber eine Gemeinschaft gebildet hat. All diese Foren leiden gerade darunter, dass dort wenig passiert, dass viel von der persönlich investierten Onlinezeit für Facebook & Co. draufgeht. Es stimmt schon, es passiert alles schon eher im eigenen Raum.
Findest du, dass man als moderner Mensch an sozialen Netzwerken teilhaben muss oder kann man sich da auch gut raushalten?
Es gibt sicherlich Leute, die das können. Das sind die gleichen Leute, die sich den Luxus erlauben können, kein Handy zu haben, was es mittlerweile ja aber auch kaum noch gibt. Das gab es aber vor zehn Jahren noch. Viele haben sich lange dagegen gesträubt. Ich muss ehrlich sagen - bei aller Kritik, die Facebook bekommt, was zum Beispiel die Privatsphäre angeht - ich möchte es nicht missen. Ich nutze es viel, weil es a) ein unterhaltsames Medium für mich ist und b) auch beruflich von Nutzen ist - sei es, um Kontakte zu Promotern oder Musikern zu knüpfen. Für mich löst es fast ein bisschen Email ab.
Danke, Carlos.