Zwischen der Marke und dem Konsumenten steht heute das Web. Wie beide mit dessen Hilfe zusammen kommen, damit befasst man sich seit 1996 bei der Interaktivagentur SinnerSchrader. Seit 2006 veranstaltet SinnerSchrader zusätzlich die next Konferenz - eine Plattform zum Netzwerken und Erforschen der digitalen Zukunft. Das Motto der next10, die am 11. und 12. Mai in Berlin über die Bühne ging, lautete "Game Changers". Geschäftsführer Matthias Schrader erklärt, was genau ein "Game Changer " ist und verrät, wie neue Technologien sein Leben verändert haben.
Sinner Schrader hat eine sehr ehrliche, offene Website mit zugelassenen Kommentaren, die nicht alle positiv ausfallen, Verlinkungen zu Xing, dem aktuellen Aktienkurs und ähnliches. Ist das eine Flucht nach vorne? Nach dem Motto, man kann die Entwicklung so oder so nicht stoppen - wie sehen Sie das?
In der Tat ist es so, dass die klassische Website im Zeitalter verteilter Inhalte an Bedeutung verliert. Mit dem damaligen Relaunch unserer Website im Jahr 2007 haben wir diese Entwicklung bewusst zugespitzt - auch um die Inhalte der verschiedenen Blogs, die wir seit 2004 betreiben, elegant zu integrieren. Die massive Resonanz hat uns wirklich gefreut und die Idee war sehr effizient umsetzbar.
Bei der Pressekonferenz zur next10 sagten Sie mit einem Augenzwinkern, als Agentur könne man den Entwicklungen sowieso nur noch „hinterherhecheln“... Wie lautet Ihr Gegenrezept?
Die gesamte Internetrevolution wird getrieben durch die Nutzer. Es gewinnen diejenigen Unternehmen, die am besten und schnellsten die Bedürfnisse der Konsumenten erkennen und produktiv verwandeln. Für digitale Marketingdienstleister wie SinnerSchrader ist das eine extrem spannende Aufgabe: Wir verstehen uns sowohl als Übersetzer als auch Katalysator dieser Entwicklung.
Das Motto der diesjährigen next Konferenz lautete „Game Changers“. Was genau verstehen Sie darunter?
„Game Changer“ verändern durch digitale Technologien radikal eingefahrene Spielregeln von Branchen.
Ihr Beispiel für einen radikalen Game Changer in den letzten Jahren?
Offensichtliche Beispiele sind natürlich Google, Apple und Facebook. Beim zweiten Blick steht aber so gut wie jede Industrie heute vor radikalen Umwälzungen. Auf der next10 haben wir dies an Beispielen für die Automobil- (Local Motors), Lebensmittel- (TCHO) und sogar Porno-Industrie (Make Love Not Porn) gezeigt.
Wie wird die radikalste Veränderung in der nahen Zukunft aussehen?
Durch Smartphones und Tablets wird sich die Nutzungszeit von digitalen Diensten noch einmal massiv ausweiten, dieses wird starke Auswirkungen auf die bestehenden Medien aber auch bisherigen Out-of-home-Aktivitäten wie Shopping und Freizeitgestaltung haben.
Sie nennen das Internet, vor allem das mobile, und Apps disruptive Innovationen, die den Alltag verändern. Wie haben diese Technologien ihr privates Leben verändert?
Zu meiner eigenen Verwunderung denke ich das erste Mal seit 20 Jahren darüber nach, meine Tageszeitung abzubestellen. Auch abends haben es Bücher immer schwerer, sich gegen die Sogwirkung des iPads und dem sich immer aktualisierenden Inhaltestrom des Netzes durchzusetzen.
Das Credo von SinnerSchrader lautet „Creating Radical Relationships“. Ist das mobile Internet nicht ideal, um solche Beziehungen zum Konsumenten zu knüpfen? Mobile Internet-Devices sind ein permanenter Begleiter, man hat ständig Zugriff auf den Konsumenten...
Umgekehrt funktioniert es: durch entsprechende Services hat der Nutzer jederzeit Zugriff auf das Unternehmen. Es ist der "Pull", für den wir als Dienstleister den Weg in die Unternehmen bahnen müssen.
Mark Zuckerberg, der Gründer von facebook sagt „Privatsphäre war gestern“ (mobile devices übermitteln inzwischen sogar schon den Standort; man weiß, wer was wann wo macht...). Wie gefährlich ist es, wenn wir uns virtuell so entblößen, wie wir es gerade tun?
Nach meinem Eindruck entblößen sich immer noch mehr Menschen in der persönlichen Begegnung, oder werden von Massenmedien öffentlich bloßgestellt. Auf facebook verkleiden sich die meisten Menschen eher und simulieren Offenheit.