Es gibt Parties, die Berlin ihren Stempel aufgedrückt haben. Clubs, die jeder kennt, die das Geschäft von Easyjet und Co. angekurbelt und den Ruf Berlins als internationale Feierhauptstadt zementiert haben. Dahinter stehen oft nicht minder spannende Köpfe. Ein Schwergewicht des Berliner Nachtlebens wollen wir euch heute vorstellen: Conny Opper, Vater des Rio, Chef des Scala, Erfinder des Broken Hearts Club, Inhaber der King Size Bar und Organisator des Berlin Festivals. Wir sprachen mit ihm über den perfekten Club, Methoden zur Liebeskummerbewältigung und das eigene Ausgehverhalten...
Du hast auch gebrandete Partys für große Marken organisiert, zum Beispiel das Smirnoff Nightlife Exchange Project. Geht das für dich mit Underground und Coolness noch zusammen?
Natürlich habe ich mit dieser Frage beschäftigt. Wenn man was im Bereich Branding macht ist es immer eine Gratwanderung. Da muss man schon sensibel mit umgehen und am Ende abwägen. Wenn ich mit Marken zusammenarbeite finde ich es wichtig, Projekte zu verwirklichen, die ohne diesen Support nicht möglich wären. Dann versteht das Publikum es auch und weiß es zu schätzen. So ist es möglich, große Acts zu einem fairen Preis oder manchmal sogar umsonst zu sehen. Früher war das, gerade in Berlin, viel schwieriger mit dem Branding. Heute haben die Kids da weniger Probleme mit.
Du wolltest früher Architekt werden. Wie sähe denn ein Club aus, wenn du ihn selber bauen würdest?
Die Gebäude der besten Läden sind eigentlich meistens schon da und wurden früher anderweitig genutzt. Wenn man Glück hat, findet man sie und transformiert sie dann in einen Club. Oft ist eine Location besonders gut, wenn eine Kreisbewegung möglich ist. Das war im Rio damals sehr schön, wo du oben durch die drei Räume gehen konntest. Unten gab es dann noch den langen Gang, der alles verbunden hat. Das ist wie eine Erlebniswelt mit einer eigenen Dramaturgie bei einem Streifzug durch den Club. Wichtig ist, dass verschiedene Aspekte geboten werden. So gesehen war das Rio für mich eigentlich der ideale Club. Wir hatten auch mal die Idee das Rio als Kunstprojekt einmal komplett nachzubauen. Da hätte ich eigentlich immer noch Lust zu...
...und der Stil?
Ein bisschen rough muss es schon seit, dadurch wird ein Club lebendig. Heute würde man wohl Vintage sagen. Das macht Zeitgeschichte spürbar, gerade in Berlin. Auch im King Size haben wir die Wände bewusst so gelassen wie sie waren. Viele Clubs sind meiner Meinung nach zu clean, mit schwarz oder weiß gestrichenen Wänden. So etwas beeinflusst auch die Stimmung des Abends. Wenn die Atmosphäre clean ist, bleiben die Leute auch clean.
Wie ist die Idee zum Broken Hearts Club entstanden? Man denkt natürlich sofort an Liebeskummerbewältigung...
Da ist auch was dran. Ich mache das ja mit meinen Partnerinnen Ingrid Junker und Niki Pauls zusammen. Ingrid hatte tatsächlich damals Liebeskummer. Daraus entstand die Idee, dass die Leute ihre liebsten Heartbreak- und Love-Songs spielen, um im Kreise von Freunden den Liebesschmerz zu bewältigen. Der Broken Hearts Club war auch immer eher von warmem Discosound anstatt klassischem Clubsound geprägt. Das ist bis heute so, auch wenn es sich mittlerweile zu einem Clubabend entwickelt hat. Wichtig war uns auch die Schnittstelle zwischen Kunst und Fashion und vor allem, dass es Spaß macht. Der Besucher soll Teil des Abends werden, sich stylen, mit gestalten. Kommunikation und Offenheit ist ja genau das, was das Nachtleben ausmacht.
Das Berlin Festival ist ein großer Erfolg und wohl mit Abstand dein größtes Projekt. Letztes Jahr liefen allerdings ein paar Dinge nicht ganz so rund. Was werdet ihr in diesem Jahr besser machen?
Ein Festival ist immer eine große Herausforderung, da spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle, sehr viel organisatorische Arbeit ist zu leisten. Als Konsequenz aus dem letzten Jahr wird dieses Mal das Programm in Tempelhof bis 0 Uhr laufen und die Hangars werden komplett geöffnet sein. Wir setzen das Festival dann unter dem Namen Club Xberg mit Gigs, DJ-Sets und Performances auf dem Arena-Gelände fort. Club Xberg ist ein neuer Teil des Berlin Festivals, dort werden Freitag- und Samstagnacht bis in die frühen Morgenstunden Acts wie A-Trak, Diplo, Mr. Oizo, Andy Butler, Boy George oder Dj Hell auftreten.
Auf welchen Act freust du dich denn beim Berlin Festival am meisten?
Die Absoluten Beginner treten das erste Mal seit 2004 wieder gemeinsam auf. Sie werden also auf dem Berlin Festival ihre exklusive Reunion-Show und die einzige in 2011 geben, darauf freue ich mich ganz besonders! Dann natürlich die Primal Scream und auf jeden Fall Battles, die ich selbst noch nie live gesehen habe.
Gehst du privat überhaupt noch aus oder hast du mit deinen eigenen Veranstaltungen genug um die Ohren?
Ich gehe schon gerne noch aus, das ist aber weniger geworden. Mittlerweile bin ich ganz froh, in der Woche ein geregeltes Arbeitsleben zu haben. Ich bin auch nicht der Typ, der noch ewig lange auf Afterhours geht, ich freue mich eher, nach meinen eigenen Partys ins Bett fallen zu können. Aber klar gehe ich dann auch mal in Clubs, zum Beispiel ins Picknick oder in die Soju Bar. Auch die ganze Barkultur und diese kleinen und familiären Miniclubs find ich super. Natürlich lasse ich mich auch immer wieder gerne inspirieren, diese Offenheit muss man sich schon bewahren. Außerdem macht es mir unheimlich viel Spaß, unter Leuten zu sein und mich auszutauschen. Das gehört eben zu den schönsten Dingen an meiner Arbeit.