
Nutzerdaten sind das Kapital von Facebook - doch noch vor dem anstehenden Börsengang im Frühjahr 2012 könnte der Wert des Social Networks um einiges sinken. Der Grund: Ein EU-Gesetz will die Nutzung von privaten Daten für Werbezwecke im Web erschweren. Momentan verdient Facebook etwa 3,8 Milliarden Dollar mit Werbung.
In den kommenden Monaten will die EU-Kommission die Art, wie Nutzerdaten zu Werbezwecken gesammelt werden, neu reglementieren. Wie Finanzexperten berichten, könnte die Gesetzgebung Einfluss auf den bevorstehenden Börsengang von Facebook haben: Aktuellen Berichten zufolge würde Facebook beim geplanten Börsengang im April 2012 zehn Milliarden Dollar einspielen, der Wert des Netzwerkes auf gigantische 100 Milliarden Dollar bewertet werden (laut Wall Street Journal).
"Die Bürger haben ein Recht auf ihre privaten Daten", sagte EU-Justizkommissarin Viviane Reding kürzlich in einem Interview. "Wenn Firmen diese Daten verwenden wollen, mussen sie zustimmen." Facebook holt sich die Zustimmung, dass vom Alter bis zu den Hobbies alles für Werbung ausgewertet werden darf, derzeit über die Nutzungsbedingungen ein, die jedes Mitglied bei der Anmeldung akzeptieren muss. Doch das reicht den EU-Behörden nicht.
"Wir sind vollkommen im Einklang mit dem EU-Recht", so ein Facebook-Sprecher. Aus Sicht der US-Firma hat das gezielte Schalten von Anzeigen Vorteile. Wenn Werbung den Interessen des Nutzers entspräche, würde sie nicht als störend empfunden.
Die EU-Direktive wird im Januar 2012 vorgestellt und könnte für Mark Zuckerbergs Konzern dramatische Folgen haben: 2011 machte das US-Unternehmen mit dem Geschäftsmodell, das auf Datenverwertung für Werbezwecke setzt, etwa 4,27 Milliarden Dollar Umsatz. Da 75 Prozent der mehr als 800 Millionen Nutzer außerhalb der USA leben, ist Facebook vermehrt auf ausländische Werbemärkte, vor allem Europa, angewiesen.
Doch gerade von den neuen Möglichkeiten sozialer Werbung will Facebook Investoren überzeugen. Unternehmen sollen zukünftig von Likes für Produkte profitieren: Wenn ein Freund ein Produkt über den Like-Button favorisiert, soll es künftig als Werbung auf den Profilseiten von befreundeten Usern auftauchen.